|
Riesengrund - Kovárna
Tröpchen nach Tröpchen sprudelt das Wasser aus dem Leck und füllt das im Felsen ausgehöhlte Reservoir. Überall ist es dunkel und feucht. Die angelehnte, aus Holzblöcken gemeißelte Leiter, die hölzerne Einrüstung ausbreitend in den hohen Schloten und unterstützend die Decke, das alles unterliegt allmählich dem Verderben. Schon seit Ewigkeiten ist hier niemand mit Trögen voller Arsenerz aufwärts gestiegen, schon seit Ewigkeiten hat das geringe Licht aus den Grubenlampen die finsteren Wände des alten Bergbaus nicht mehr erleuchtet, schon seit Ewigkeiten hat niemand das Wasser aus den tiefgehenden Abbauten gepumpt, um die im Bergbauch begrabenen Schätze zu erschließen. Die Mundlöcher der Schächte und die Eintritte der Stollen sind eingestürzt, die Korridore sind versunken, die Berghalden wurden langsam vom Wald aufgenommen und für Jahrhunderte benutzte Bergfußwege verschmolzen mit der Umgebung. Der Untergrund der Schneekoppe ist in Vergessenheit geraten. Nur die Zwerge des Rübezahls blieben um die Untergrundgeheimnisse zu bewachen.......
Die erste Erwähnungen des Bergabbaus im Riesengrund (Obří důl) stammen aus dem Jahre 1456. Ein namenloser Venezianer beschreibt seine achttagigen abenteurlichen Reise aus Hohenelbe (Vrchlabí) in den Riesengrund, wo er Menschenskelette, Amethyste, Smaragde und Gold finden sollte.
Ähnliche übertriebene und nicht zu glaubhaftige Nachrichten stammen auch von Walachern, die ins Riesengebirge ab 15. Jahrhundert kammen und nach Edelsteinen und Edelmetallen suchten. Im Jahre 1511 kammen in den Riesengrund die Meissnerbergleute, um ihren Glück hier zu probieren, nach dem Misserfolg im goldenen Stollen auf Šibeniční vrch (Galgenberg) bei Trutnov. Später hat sich eine ganze Reihe der Unternehmer im Riesengrund abgewechselt.Im Jahre 1534 beantragte bei dem König um das Privilegium zum Bergabbau im Riesengrund eine Gesellschaft der 17 Unternehmer, die eine Hütte, ein Pochwerk und eine ganze Siedlung mit aller Ausrüstung ausbauen wollte.
Cristoph Gendorf von Kärnten, eigentlich der ehemalige Besitzer der Grundherrschaft von Trautenau und Schatzler, abgelehnte den Antrag. Im Jahre 1548 bewerbt sich um den Bergabbau der L. Bischof und in der Antwort ist es bemerkt, dass es mit dem Bergabbau schon vor 40 Jahren ein Ende gemacht wurde. Auf der Landkarte von Georg von Řásná um das Jahr 1569 sind 7 Berkwerke und 5 Schurfbaue angeführt. Der Bergwerk Unternehmer und Prospektor Hanse Seyfert fand im Jahre 1570 mächtige Lagen der Kupfer-, Blei- und Silbererzen, aber keine Details sind uns bekannt. Am Anfang des 17. Jahrhunderts ist der Bergwerkbetrieb von der Grundherrschaft Mladé Buky und der de Waggi besitzt einen Vitriolbetrieb - Arsenische-, so genannte "Gifthütte". 1811 vergrössert der Ignác Loubal aus Prag den arsenischen Ofen, danach wurde die Geselschaft vom F. Winkler und endlich vom Ruffer von Wroclau geführt. Besonders unter dem Ruffer prosperiert die Gesellschaft und zwischen den Jahren 1836 und 1866 hat sie bis 500 q Kupfer und bis 1200 q Arsen produziert. Im Jahre 1876 ist der Ofen wegen der Erzauszehrung und wegen des Absatzgebietverlusts der Arsenicprodukten gelöscht. Der Hauptnehmer war Hamburg, wo das Arsen in den Lack unter der Tiefganglinie zugegeben wurde. Arsen wurde auch nach der Bearbeitung nach Italien exportiert und beim Farben der berühmten venezianischen Glaswaren benutzt. Die umfangreichste Bergabbauarbeiten fanden hier zwischen 1952 und 1959 statt, als die Geologen nach polymetallischen Erzen suchten, besonders dann nach dem Wolfram. Sie hatten fast 7 km Stollen und Korridor abgebaut. Ab1988 ist mit der Untersuchung des Untergrundes die Tschechische Speleologische Gesellschaft Albeřice beschäftigt und macht den Untergrund der Öffentlichkeit allmählich zugänglich. Im Jahre 2004 wurde der Turistischebetrieb in der ältesten Teil des Bergwerks Kovárna angefangen. Die Besucher können nicht nur ungefähr 250m abgebauten Korridoren besichtigen, sondern auch die Arbeit der mittelalterlichen Bergleuten probieren und die Replikaten der mittelalterlichen Werkzeugen erblicken.
Das Bergwerk Kovárna ist im Sommer 2010 geschlossen. Eine neue Besichtigungsrunde in die Tiefe von fast 50 Meter ist in Vorbereitung.
|